Aus Besprechungen:
Die Welt (16.3.2002)
Was bedingt nun den seltsam bewegenden Reiz dieses sinn- und geschmackvoll illustrierten Buches? Es
ist der Ton des Briefschreibenden - Musikalität und Menschenkenntnis,
gemischt mit Humor und einer humanen Skepsis. "Sehr viel Talent zum Lebensgenuss
kommt in späten Jahren bei mir zum Vorschein", bekannte Sigmund Freud
1908, schränkte jedoch sofort ein, als wolle er den Neid der Götter
nicht provozieren: "Im ganzen ist es ja die Ruhe vor dem Sturm."
Ulrich Weinzierl
Süddeutsche Zeitung (21.3.2002)
Wenige Forscherleben sind besser dokumentiert – und dennoch zeigen diese Briefe einen Freud, von
dem nur Spezialisten und Blasierte behaupten werden, sie hätten ihn so schon gekannt. Den anderen winkt ein Leseabenteuer im Bücherfrühling,
denn Freud auf Reisen ist eine hinreißende Entdeckung.
Ulrich Raulff
Neue Zürcher Zeitung (27.3.2002)
Dem Genussmenschen Freud umso näher kommt die bibliophil schöne Ausstattung des Bandes
mit zahlreichen zeitgenössischen Ansichtspostkarten, tunlichst den
von Freud verschickten, Karten und Itinerar. Die Leser können den
Band mit Gewinn und Freude als neuen Cicerone nutzen.
....
Das eigentliche Resultat
der Edition, durchaus ein Ereignis, ist indes dieses: Man wird mit einem
ganz anderen Freud bekannt als demjenigen, den man zu kennen glaubte. Das
bisherige Freud-Bild wird bedeutend erweitert, auch revidiert.
Ludger Lütkehaus
Kurier (30.3.2002)
Einen Freud, wie ihn kaum jemand kennt, zeigen die soeben erschienenen Reisebriefe (1895–1925) an
seine Familie daheim – eine überraschende Entdeckung und ein Leseabenteuer.
Tagesspiegel (1.6.2002)
Freuds Briefe ... zeigen den Gelehrten von einer bislang unbekannten Seite. Für die nächste
Italienreise gehören Sie ins Gepäck.
Christina Tilmann
Frankfurter Rundschau (8.6.2002)
Im Rahmen des Freudschen Briefcorpus, das ein noch längst nicht voll erschlossenes zweites
Oeuvre bildet, gehören die vorgelegten Texte zur Gruppe der Familienbriefe.
Die zeigen Freud im Vergleich zu anderen Briefen, etwa an seine Schüler,
nicht so sehr konzentriert, gezügelt und zur Größe stilisiert,
sondern unangestrengt, lebhaft, alltäglich. Nirgends fließen
ihm so viele jiddische Ausdrücke aus der feder. Und doch spürt
man auch hier die eigenartige Intensität und Sensitivität des
Erlebens - eine Hochspannung, als ob für diesen mann jeder Moment
erfüllter gewesen wäre als für andere, Das ist es dann wohl,
was ihn von unsereinem unterscheidet, auch wenn er wie wir auf Reisen geht.
Michael Schröter
Die Zeit (13.6.2002)
Wer also von der Lektüre
dieses Bandes Reisebriefe erwartet, in denen tiefsinnige Reflexionen über
Mensch und Kultur angestellt und idyllische Landschaften fein stilisiert
nachgezeichnet werden, der wird, bis auf wenige Ausnahmen, enttäuscht.
Wen hingegen zugespitzte Formulierungen („Dort liegt das Hundenest u der
Affenkäfig Neapel“) und wundersame Verknüpfungen („Vesuv raucht
nicht“ – „Wir rauchen hier englische Pfeifen“) erfreuen, der wird reichlich
belohnt und erhält obendrein gelehrsame Auskunft durch den Herausgeber
Christfried Tögel, der auch die vielen zeitgenössischen Postkartenansichten
ausgewählt hat, die dem Band beigegeben sind. Wer solchen Witz zu
schätzen weiß, wird auch an Freuds Schwägerin Minna Gefallen
finden, die – als Begleiterin auf einer Reise – an Freuds zurückgebliebene
Ehefrau schrieb: „Wir wären also glücklich so weit, jede Nacht
in einem anderen Bett zu schlafen, was ja Sigis Ideal ist.“
Bernd Nitzschke
La Repubblica (11.4.2002)
Sigmund Freud gode di ogni cosa, del sole e delle bellezze naturali, del vino e dei cibi italiani
che trova 'divini'; si lascia prendere dalla pigrizia, dalla voglia degli acquisti, e di scherzare. Un Freud, insomma, in vacanza, strepidosamente
edonista, molto spiritoso: così appare nella ricchissima raccolta di lettere 'di viaggio', per lo più inedite.
Unveröffentlichte Privatbriefe: Freud genießt alles, die Sonne, die Natur, den Wein und das italienische
Essen, das er 'göttlich' findet; er faulenzt, bummelt und scherzt. Ganz und gar hedonistisch und humorvoll, so erscheint er in dieser reichhaltigen Sammlung."
Paolo Sorge
TAZ (15/16.6.2002)
Die einzelnen Kapitel werden vom herausgeber Christfried Tögel eingeleitet, in den biograpfschen
Kontext eingeordnet und abgekürzte Personnamen in Fußnoten erläutert.
Nicht nur die umfangreiche Einführung, das Korrespondenzverzeichnis und das Register sind vorbildlich, durch die 152 Abbildungen - meist handelt
es sich um die Wiedergabe alter Fotos und Postkarten - wird das Buch auch zu einem bibliophilen Genuss.
Till Bartels
Der Standard (29.6.2002)
Daß wir Freuds Spuren
vor allem in Italien und Griechenland rund ein Jahrhundert später so genau nachvollziehen können, ist vor allem der überaus präzisen
Edition Christfried Tögels zu danken. Das Buch ist ein Reiseführer der besonderen Art, lädt ein, auf den Spuren "Sigis" Italien zu entdecken,
seine Kunstschätze, Baudenkmäler, Speisen ("man wird so materiell") und Weine. Vor allem die Weine, rote wie weiße, die auch die Triebe,
schamhaft angedeutet, zu ihrem Recht kommen lassen: "Man ist auch immer ein bißchen - vom Wein."
Walter Grünzweig
Literaturen (Juli / August 2002)
Freuds Ideal war es, "die drei Leidenschaften Psychoanalyse, Archäologie und Reisen miteinander
zu verbinden", schreibt Christfried Tögel in der so informativen wie unprätentiösen Einleitung, die von dem Vergnügen an ihrem
Unternehmen geprägt ist, ohne dass sie Freuds diverse neurotische Reise-Ticks unterschlägt, jedoch auch ohne sie zu "überanalysieren".
Caroline Neubaur
Focus (8.7.2002)
Es ist ein Vergnügen, Freuds Reisebriefe und Postkarten an die Familie zu lesen. So lernt man
ganz nebenbei ihn selbst kennen, seine Marotten, seine Neugier, seinen Blick auf die Dinge selbst, seine Ausdauer, Selbstanklagen, seine Lust,
sich zu inszenieren.
Verena Auffermann
Frankfurter Allgemeine Zeitung (13.7.2002)
Der Band mit seinen Reisebriefen aus den Jahren 1895 bis 1923 ist ein unverhoffter, hinreißender Cicerone
in die Welt von gestern, wie sie ein genialischer Schreiber von Postkarten
und gelegentlichen launigen Exkursen aus der Ferne seinen Lieben daheim
widerspiegelt ... Sigmund Freud ist, das weiß man, ein begnadeter
Briefschreiber. Der Korpus seiner Korrespondenz indes harrt noch immer
der breiten Erschließung. Ein aufregender Schritt in diese Richtung
sind die jetzt erschienenen Reisebriefe an seine Familie ... Im Reisendürfen
erfüllt sich Sigmund Freud der Traum seiner Kindheit - zu schön,
um wahr zu sein. Ihre untergründige Demut und ihre liebenswürdige
Klugheit machen diese jetzt edierten Nachrichten aus der Fremde zum anrührenden
und elektrisierenden Erlebnis, weit über die Neugier auf ihren Absender
hinaus: Denn wer ein Herz hat, dem zeigt es doch nach dem Süden -
beim nächsten Mal mit diesem Buch im leichten Gepäck.
Rose-Marie Gropp
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